- Die islamische Aqida – Teil.1
- Die islamische Aqida – Teil.2
- Die islamische Aqida – Teil.3
So ist es offenkund, das jene welche zur erretteten Gruppe/Gemeinschaft gehören, die Leute des Hadith und der Sunnah sind, d.h. die Ahlu Sunnah Wal Jammah. Denn sie sind es, welche keinen anderen Führer, abgesehen vom Gesandten Allahs – Allahs Segen und Friede auf ihm – haben; auch sind sie von all den Leuten die Kenntnisreichsten über das Leben des Propheten und ob eine Ihm zugeschrieben Aussage authentisch oder unauthentisch ist. Die Gelehrten des Hadith und der Sunnah haben nämlich umfangreiche Kenntnisse und sind verständiger hinsichtlich des Islam und ihnen nachzueifern ist das Adäquateste. Denn sie sind es, die mehr als irgendjemand sonst, an die Sunnah glauben und demgemäß handeln. Sie Denken über die Sachverhalte im Lichte des Koran und der authentischen Sunnah nach und erheben nimmer etwas zum Status eines Grundsatzes oder Verteidigen es, ausgenommen es wird daraus abgeleitet, was an den Gesandten – Allahs Segen und Friede auf ihm – tatsächlich herabgesandt worden ist. Tatsächlich sind die einzigen Grundlagen auf der sie ihre Ideen und Doktrinen aufbauen; der Koran, die authentischen Aussagen des Propheten Muhammad – Allahs Segen und Friede auf ihm –, der Ijma der Prophetengefährten und der Analogieschluss. Wenn die Leute Streitgespräche führen, wie beispielsweise über die Eigenschaften Allahs, al-Qadar, Belohnung und Bestrafung oder über Semantik der Terme so beziehen sich die Leute der erretten Gruppe ausschließlich auf Allah und Seinem Gesandten, gemäß dem Auslegungen der lauteren Altvorderen. Die Terme die mehrdeutig und verschiedenartig von den unterschiedlichen Menschen erörtert wurden, erörtern sie nimmer nach ihren Gelüsten, eher in dem Sinn, welche der Koran oder die Sunnah vorsieht oder ihnen am naheliegendsten sind. Den Vermutungen und Zweifeln werfen sie beiseite, noch folgen sie ihren Gelüsten, entsprechend unserer Meinung das die Nachgiebigkeit in Vermutungen pure Ignoranz darstellt und die Befolgung der eigenen Begierden, ohne jegliche Leitung, eine offenkundige Irreleitung und Sinnlosigkeit ist. Die Menschen der erretten Gemeinschaft werden stets einen beträchtlichen Bestandteil dieser Gemeinschaft ausmachen und die Leute der Erneuerung werden stets eine Minderheit darstellen. Shaykh al-Islam al-Mujaddid Taqiyyudin Abu’l Abbas Ahmad Ibn Taymiyyah al-Hanbali (gest. 728 n.H.) – möge Allah wohlzufrieden mit ihm sein – sagte: „Es wird die Jammah (Gemeinschaft) sein und die Hand Allahs wird mit der Jammah sein.“ Dies ist der Grund weshalb die Menschen der Erretteten Gruppe, als Ahlu Sunnah Wal Jammah bezeichnet werden. Sie werden die überwältigende Mehrheit und die allgemeine Masse darstellen. Die verbleibenden Sekten werden ihre absonderlichen Ansichten und Häresien darlegen und ihren Neigungen vergebens nachgehen. Aber selbst alle gemeinsam werden sie nimmer ebenbürtig sein, noch werden sie sich an die Zahl jener Menschen annähern können, welche errettet werden. Tatsächlich werden sie sehr wenige sein[...]“[1]
Es sollte auch vermerkt werden, dass jene welche einem Gelehrten oder einem anderen in den grundlegenden Angelegenheiten der Religion und des Kalam befolgen, in verschiedene Kategorien fallen. Einige von ihnen widersprechen der Sunna in Bezug auf große Prinzipien der Religion. Wohingegen andere die Sunna nur in kleinen Prinzipien der Religion widersprechen. Und wer auch immer aus diesen Gruppen eine andere Gruppe, die noch weiter von der Sunna entfernt war, widerlegt hat, ist für diese Widerlegung der Falschheit und für das, was er an Wahrheit gesagt hat, zu loben. Vielleicht könnte er mit seiner Widerlegung die Grenzen überschritten haben, indem er gegen etwas argumentiert hat, was richtig war und etwas Falsches gesagt hat. Vielleicht hat er eine große Innovation mit einer kleineren widerlegt und eine Falschheit mit einer anderen Unwahrheit, welche ein geringeres Ausmaß hat, widerlegt. Dies ist die Lage mit der Mehrheit der Leute von der Scholastik, welche sich selbst der Sunna und Jammah (Ahlu Sunnah) zuschreiben. Wenn sie jedoch diese Bid’a nicht als eine Meinung genommen haben, welche sie nutzen, um die Einheit der Muslime zu spalten – sich zu verbünden (mit jenen, die ihrer Meinung sind) und sich entgegenzustellen (gegen jene, die nicht ihrer Meinung sind) – so ist es eine Art des Fehlers, welche Allah, gepriesen ist Er, der Allerhöchste, den Gläubigen vergeben wird.“
Viele der früheren Muslime und Gelehrten gerieten in etwas Ähnliches wie dies. Einige von ihnen hatten Meinungen, welche sie aus dem Idschtihad ableiteten, welches etwas widersprach, das fest im Koran und der Sunna verankert ist. Jedoch unterschieden sie (die frühen Muslime und Gelehrten) sich von jenen, die sich mit jeden verbündeten, welche die selbe Meinung wie sie in Angelegenheiten von Meinungen und Idschtihad hatten; während sie sich jeden als Feinde entgegenstellten, der dies nicht tat. Und damit spalteten sie die Einheit der Muslime. Und sie unterschieden sich von jenen die jene, welche nicht ihrer Meinung waren, zu Ungläubigen und Sündern erklärten, während sie dies nicht mit jenen taten, die ihrer Meinung waren. Auch unterschieden sie sich von jenen, die es erlaubten, gegen jene, die nicht ihrer Meinung waren zu kämpfen, während sie dies nicht über jene verordneten, die ihrer Meinung waren. Jene (die dies tun) gehören zu den Leuten der Spaltung und Konflikte.
Bezüglich der Fragestellung ob die zweiundsiebzig Sekten innerhalb des Islams oder Ungläubig sind, die auf ewig im Höllenschlund verweilen werden, herrscht innerhalb der Gemeinschaft eine Meinungsverschiedenheit. Einige meinten, dass ausschließlich die Ungläubigen in die Liste der Sekten mit einbezogen werden, andere meinten, dass die Anhänger der Sekten im allgemeinen Muslime und Gläubige seien, aber es unter ihnen Heuchler und Ungläubige geben kann. Die letztere Meinung ist die Bevorzugte Meinung dieser Gemeinschaft, einschließlich die der lauteren Altvorderen, wie von Absat, Abu Hanifa und al-Mubarak und den Khalaf, wie die von Ibn Taymiyyah und Abu Ishaq al-Schatibi. Imam Abu Ishaq al-Schatibi machte dies in seinem Werk „al-Muwafaqaat fi Usul al-Sharia” verständlich und in “al-I’tisaam” zählte etliche jener Sekten auf. Die Gelehrten der Sunnah haben in ihren Schriften dargelegt, dass diese Sekten verdienen im Höllenschlund zu verweilen, wegen ihren verwerflichen Konzepten und Erneuerungen. Aber allgemein sind sie nicht als Ungläubig zu betrachten, wie Hodschatul Islam und Shaykh al-Islam darlegten.
Shaykh al-Islam al-Mujaddid Taqiyyudin Abu’l Abbas Ahmad Ibn Taymiyyah al-Hanbali (gest. 728 n.H.) – möge Allah wohlzufrieden mit ihm sein – sagte hinsichtlich dieser Angelegenheit: „Ähnlich mit jenen unter den zweiundsiebzig Sekten, welche Heuchler und innerlich Ungläubige sind und jenen welche keine Heuchler sind, sondern eher im inneren an Allah und Seinem Gesandten glauben, keine Ungläubigen sind, obgleich sie auch in ihrer Interpretationen falsch sind, unabhängig von welcher Art dieser Fehler sein kann. Einige von ihnen können Verzweigungen der Heuchelei aufweisen oder sie können nicht die Art der Heuchelei haben, welche ein Mensch zu den niedrigsten Tiefen der Hölle verurteilt. Jemand der meint, dass alle der zweiundsiebzig Sekten sich des Kufr schuldig machen, welcher einem aus dem Islam exkommuniziert, so stellt er sich gegen den Koran, der Sunnah, dem Konsens der Gefährten und dem Konsens der vier Imame und anderer. Niemand von ihnen betrachtete irgendeinen der zweiundsiebzig Sekten als Ungläubig, eher betrachteten sie sich (die Sekten) einander als Ungläubig.“[2]
Den Beweis das sie generell nicht als Ungläubig gelten, legte Shaykh al-Islam – möge Allah wohlzufrieden mit ihm sein – , wie folgt dar: „Die Wörter des Propheten – Allahs Segen und Friede auf ihn – das „sie ins Feuer gehen werden“, weisen darauf hin, dass dies in demselben Sinn verstanden werden sollte, wie es über andere Sünder heißt, ähnlich über jene welche das Eigentum der Waisen unterschlagen. Allah, der Segensreiche, sagt: “Wahrlich, diejenigen, die der Waisen Gut ungerecht aufzehren, die zehren (in Wirklichkeit) Feuer in ihre Bäuche auf und werden in einem Höllenfeuer brennen.” (Sure an-Nisa, Vers.10)“[3]
Dies involviert jedoch nicht das die Gruppen/Sekten welche sich selbst als Muslime bezeichnen, tatsächlich auch Muslime oder als einer dieser zweiundsiebzig Sekten zu betrachten sind, eher sind sie Ungläubige und Heuchler, wie die extremen Schiiten, die extremen Sufis, die Ahmadiyyah, die Quraniten und die Batiniyyah Sekten. Allesamt stehen sie außerhalb des islams und werden nicht als einer dieser Sekten betrachtet, gleich dem Juden und Christen.
Die Ursachen der Differenzen und Abspaltungen unter diesen Gruppen, die in den Ahadith gemeint sind, beziehen sich auf grundlegende Fragen der Religion und der Aqida, nicht um Meinungsverschiedenheiten im Bereich der Abzweigungen. Imam Abu Ishaq al-Schatibi al-Maliki (gest. 790 n.H.) – möge Allah wohlzufrieden mit ihm sein – sagte: „Sie werden als Sekten betrachtet, da sie sich von der erretten Gruppe hinsichtlich einiger fundamentalen Angelegenheiten der Religion und Grundprinzipen der Scharia unterscheiden; nicht hinsichtlich geringer Angelegenheiten, da die Unterscheidung in geringen Angelegenheiten nicht zu Spaltung und interne Streitigkeiten führt, eher entstehen die internen Streitigkeiten wenn die Differenzen in den fundamentalen Angelegenheiten der Religion vorkommen.“[4]
Und die allerersten welche sich von der Gemeinschaft trennten waren die Kharawij. Die Überlieferungen von Propheten bezüglich ihrer, sind zu uns über zehn verschiedene Wege gelangt, von denen alle durch Abu al-Hussain Muslim in sein Sahih verzeichnet wurden, wobei auch einige bei Ibn Ismail al-Bukhary in sein Sahih notiert wurden. Shaykh al-Islam al-Mujaddid Taqiyyudin Abu’l Abbas Ahmad Ibn Taymiyyah al-Hanbali (gest. 728 n.H.) – möge Allah wohlzufrieden mit ihm sein – sagte bezüglich der Kharawij: „Die Gefährten des Propheten kämpften mit ihnen (Kharawij) unter der Anordnung des Amir al-Mu’minin Ali Ibn Abi Talib und waren sich betreffs seiner einig…Doch als sie sich von der islamischen Gemeinschaft abspalteten und seine Angehörigen als Ungläubig deklarierten und es gerechtfertigt war gegen sie (den Kharawij) das Schwert zu erheben, erwiesen sich die Worte des Propheten Muhammad –Allahs Segen und Friede auf ihm – bezüglich ihnen als wahr. Der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Friede auf ihm – sagte: „Ihr verachtet euer Gebet neben ihren, euer Fasten neben ihren und das Rezitieren des Koran neben ihnen. Doch sie werden den Koran Rezitieren, aber ihr Rezitieren wird nicht unter ihren Rachen gelangen. Sie werden sich aus dem Islam bewegen, wie sich ein Pfeil außerhalb der Beute bewegt, dass es tötet. Tötet sie (die Kharawij), wann auch immer ihr sie erwischt, denn ihr werdet für das Töten von ihnen am Tag des Gerichts belohnt“.“[5]
Hinsichtlich der Identifizierung der zweiundsiebzig Sekten, so war der erste Mann der diese Angelegenheit durchleuchtete Yusuf Ibn Asbat al-Schaybani; weitere folgten ihn, wie Abdullah Ibn al-Mubarak. Beide Imame vertraten die Lehrmeinung, dass all die Häresie aus vier Sekten entsprungen sind: Rawafid, Kharawij, Qadariyyah und die Murji’ah. Imam Abu Abdullah Ibn al-Mubarak (gest. 181 n.H.) – möge Allah wohlzufrieden mit ihm sein – wurde einst über die Jahmiyyah befragt, worauf er erwiderte: „Sie gehören nicht zu dieser Gemeinschaft (Ummah).“ Ebenso pflegte Er über sie (Jahmiyyah) zu sagen: „Wir zitieren nicht die Wörter der Juden und nicht der Christen, noch die der Jahmiyyah.“[6]
Bezüglich der Fragestellung, ob die Jahmiyyah noch zu den 72 Sekten hinzuzählen sind oder nicht, so exisitieret darüber eine bekannte Meinungsverschiedenheit. Manche, wie Abdullah Ibn al-Mubarak und Yusuf Ibn al-Absat zählten sie nicht hinzu. IWobei andere wiederrum, wie Ahmad Ibn Taymiyyah sie im Allgemeinen hinzufügten. Eine Vielzahl der Hanbalitischen Juristen stimmen mit dieser Lehrmeinung – von Ibn al-Mubarak – überein. Sie meinen, dass die Jahmiyyah Ungläubige seien; somit können sie nicht zu den zweiundsiebzig Sekten einbezogen werden, ebenso wie die Heuchler, welche kein Iman in ihrem Herzen haben, die hinsichtlich des Islams ausschließlich ein Lippenbekenntnis ablegen und nichts anderes als Heuchler sind, sind somit nicht mit einbezogen in die Liste der zweiundsiebzig Sekten. Wiederum andere Hanbalitische Wissenschaftler fügen sie (Jahmiyyah) in die Liste mit ein, wodurch sie folglich die Ursprünge der Ketzerei auf fünf bedingen – Kharawij, Rafidha, Murjiah, Qadariyyah und Jahmiyyah – und sie nicht generell als Ungläubige betrachten. Der Grund für diese Differenz innerhalb der Hanbalitischen Rechtschule liegt in der Antwort hinsichtlich der Fragestellung, ob die Menschen, welche ketzerischen Ideen aufweisen, als Ungläubige exkommuniziert werden können oder nicht. Diejenigen welche die Jahmiyyah von der Liste der zweiundsiebzig Sekten ausgliedern, exkommunizieren die Brandstifter dieser Ketzerei, da nicht jeder der mit Ketzerei in Berührung kommt exkommuniziert werden kann. Vielmehr kategorisieren sie solche Menschen mit den Leuten der Bestrafung (Ahlal al-Wa’id), wie die Unnachgiebigen (Fussaq) und die Sünder (Usat). Anderseits sind jene, welche die Jahmiyyah in die Liste mit eingliedern von zweierlei Art: jene welche niemanden von ihnen als Ungläubige deklarieren und jene welche alle als Ungläubige deklarieren. Die letztere Lehrmeinung ist die Meinung einiger Wissenschaftler der späteren Zeiten aus dem Kreise der Anhänger der Rechtsgelehrten oder Scholastikern. Ahmad Ibn Taymiyyah sagte: „Aus diesem Grund würde ich zu den Jahmiyyah von den Hululiyyah und den Nufah (d.h. jene die Negieren) sagen, jene die Negieren das Allah, gepriesen sei Er, über seinem Thron ist[…]: ‚Wenn ich mit euch übereinstimmen würde, dann würde ich zum Ungläubigen werden, weil ich die Beweise kenne das eure Aussage Kufr ist. Aber für mich seid ihr keine Ungläubige, weil ihr Unwissende seid.“[7]
Jedoch im Falle der Murji’ah und Schia Mufaddilah (nicht verwechseln mit den Rafidha der Gegenwart) und anderen, so sind die lauteren Altvorderen und die Gelehrten der Meinung, dass man sie nicht als Ungläubig deklarieren kann, auch wenn sie zu den Leuten der Innovation gehören. Die Aussagen von Imam Ahmad Ibn Hanbal und anderen Gelehrten hinsichtlich dieser Sekten sind äußerst eindeutig, dass man sie nicht als Ungläubig deklarieren könne. Jedoch im Falle der Extremen Rawafid sieht es anders aus, aufgrund ihres Unglaubens und Polytheimus, weshalb sie nicht als einer dieser zweiundsiebzig Sekten betrachtet werden können. Imam Shami Muhammad Amin Ibn Abidin al-Hanafi (gest. 1252 n.H.) – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – legte das Allgemeine Urteil über jene Rawafid dar: „Es besteht kein Zweifel über den Unglauben jener, die Sayyida Aischa fälschlicherweise der Ehebruchs beschuldigen, daran glauben das Sayyiduna Ali Allah sei oder das der Engel Gabriel irrtümlicherweise mit der Offenbarung auf dem Gesandten Allahs hinab kam etc. dies ist Unglaube und widerspricht den Lehren des Koran offensichtlich.“[8]
Imam Qadi Ayyad Ibn Musa al-Maliki (gest. 544 n.H.) – möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – sagte über die Rafidha: „Und in gleichermaßen erklären wir die extremen Rafidah zu Kuffar, wegen ihrer Aussage, dass die Imame den Propheten (allen ausser Rasulullah, Friede sei auf ihm) übergeordnet sind.”[9]
Al-Qadi al-Imam Abu Sa’ud al-Imadi al-Hanafi (gest. 972 n.H.) – möge Allah wohlzufrieden mit ihm sein – wurde einst über die Rawafid befragt, ob es erlaubt wäre gegen sie zu kämpfen und ob unsere Leute die getötet werden, als Märtyrer sterben würden, da sie (Rafidah) behaupten, dass ihr Anführer von der Nachkommenschaft des Gesandten Allahs und wie ist es erlaubt, wenn sie doch auch die Kalimah „La ilaha illa Allah“ rezitieren und er erwiderte darauf, mit folgender Fatawa: „Gegen sie zu kämpfen ist Jihad al-Akbar und jene die im Kampf gegen sie fallen, werden als Märtyrer bezeichnet. Sie – die Rafidha – sind Abtrünnige gegenüber dem Imam und sie sind aus vielen Gründen Kuffar. Sie sind nicht eingeschlossen in den 73 Gruppen des Islams (die alle von Ahl al-Qibla sind, also Muslim wenn auch alle im Feuer außer einer). Die Begründung ihres Unglaubens, basiert nicht nur wegen einer Angelegenheit, vielmehr vermehren sich diese tagtäglich. Daher haben die Gelehrten unserer Zeit einen Ijma (Konsens) getroffen, dass es erlaubt ist sie (Rafidah) zu töten. Jene die an ihren Unglauben zweifeln, sind selber Kuffar. Nach Imam al-A`zam Abi Hanifa, Imam Sufyan ath-Thawri und Imam al-Awza‘i wird ihre – von den Rafidha – Reue (Tawba) anerkannt, genauso wie die Tawba der restlichen Kuffar. Jedoch sind Imam Malik, Imam Shafi‘i, Imam Ahmad Ibn Hanbal und Layth Ibn Saad der Meinung, dass die Tawba eines Rafidis nicht akzeptiert wird[...]“[10]
Und dies haben jene Gelehrten über die Rafidha ihrer Zeit gesagt, welche bei weitem nicht so viel Shirk und Kufr hatten, wie die heutigen im Allgemeinen. Denn, wie Abu Sa’ud al-Hanafi meinte, vermehrt sich ihr Shirk und Kufr ständig, weshalb sie von Jahr zu Jahr, von Jahrhundert zu Jahrhundert immer tiefer im Sumpf des Polytheismus hinein glitten.
Den Unterschied zwischen den Schia Mufaddilah und den Rawafid, welche an die Unfehlbarkeit ihrer zwölf Imame glauben legte al-Hafidh Ahmad Ibn Hadschar al-Asqalani (gest. 856 n.H.) – möge Allah wohlzufrieden mit ihm sein –, wie folgt dar: „Schiismus (Taschaju) bezeichnete in der Frühzeit des Islams den Glauben an die Vorzüglichkeit Alis über Uthman, und daran, dass Ali mit seinen Kriegen im Recht war, während seine Gegner einen Fehler begingen, wobei jedoch die Vorzüglichkeit der beiden Scheichs (Abu Bakr und Umar) von ihnen bestätigt wird. Einige von ihnen (den Anhängern des Schiismus) glaubten möglicherweise auch daran, dass Ali das beste Geschöpf nach dem Gesandten Allahs – Allahs Segen und Friede auf ihm – war. Wenn jemand diesen Glauben hatte, während er fromm, gläubig und aufrichtig war und seinen Glauben auf seinem besten Wissen aufbaute, so ist seine Überlieferung deswegen nicht zurückzuweisen, speziell wenn er nicht dazu aufrief. Was nun aber den Schiismus in der Bedeutung der späteren Generationen betrifft, so bezeichnet er die reine Ablehnung (Rafd) und die Überlieferung eines extremistischen Ablehners (Rafidi) als unakzeptabel sowie als unwürdig.“[11]
Imam Shamssuddin Muhammad Ibn Ahmad adh-Dahabi (gest. 748 n.H.) – möge Allah wohlzufrieden mit ihm sein – sagte diesbezüglich: „Die Neuerung ist von zweierlei Art. Es gibt eine geringere Neuerung, wie z.B. den übertriebenen Schiismus oder den Schiismus ohne Übertreibung und ohne Abirrung. Diese Art der Neuerung trat bei vielen in der ersten Nachfolgegeneration nach den Gefährten auf, sowie in den Generationen die nach ihnen kamen, wobei sie jedoch religiös, fromm und aufrichtig waren. Wären die Überlieferungen dieser Personen abgelehnt worden, so wäre ein großer Teil der Berichte über den Gesandten Allahs – Allahs Segen und Friede auf ihm – verloren gegangen, was zweifelsohne ein großes Übel gewesen wäre. Des Weiteren gibt es die schwerwiegendere Neuerung, so wie beispielsweise die komplette Ablehnung (Rafd) und die Übertreibung darin, und die Herabwürdigung von Abu Bakr und Umar und das Rufen zu diesen Sachen. Überlieferungen solcher Personen können definitiv nicht angenommen werden. Darüber hinaus ist mir bei diesem Schlag von Menschen in unserer Zeit kein einziger aufrichtiger und vertrauenswürdiger Mann bekannt. Vielmehr ist die Lüge ihr Leitspruch und die Taqiyya (Lügen) und die Heuchelei sind ihr Schild. Wie kann eine Überlieferung von solchen Leuten akzeptiert werden? Nein, dies ist definitiv unmöglich. Die extremen Schiiten in der Zeit der Salaf, wie sie ihnen bekannt waren, waren jene, welche gegen Uthman, az-Zubayr, Talhah, Muawija und einige von denen, welche gegen Ali kämpften und ihm entgegenstanden, sprachen. Die extremen Schiiten in unserer Zeit, wie sie uns bekannt sind, sind jene, welche diese Führer zu Ungläubigen erklären und welche die beiden Scheichs (Abu Bakr und Umar) herabwürdigen, und diese sind fehlgeleitet und verloren.“[12]
Doch innerhalb der Hanbalitischen Rechtschule haben die Juristen Differenzen, denn unter ihnen sind einige, welche alle ketzerischen Sekten einschließlich dieser (zuvor erwähnten) ohne eine Unterscheidung zu machen als Ungläubige ansehen, einige von ihnen sagten auch, dass sie (die Sekten) auf ewig zum Höllenfeuer verurteilt werden. Dies ist Falsch und widerspricht gewiss den Prinzipen der Ahlu Sunnah Wal Jammah, sowie des Imam Ahmad Ibn Hanbal und dem Heiligen Koran und der Sunnah. Diejenigen welche keine ketzerischen Sekten exkommunizieren machen dies aus dem Grunde nicht, weil sie die Ketzer mit den Sündern gleichsetzten. Sie sagen, dass ebenso wie Ahlu Sunnah Wal Jammah niemanden wegen einer Sünde als Ungläubigen bezeichnet, würden sie ähnlich nicht jemanden wegen seiner Ketzerei als Ungläubig bezeichnen.
Gemäß der zu Grunde liegenden Überlieferungen haben die lauteren Altvorderen und die rechtschaffenen Gelehrten der Khalaf ausschließlich die Jahmiyyah exkommuniziert , welche die Attribute Allahs leugnen, indem sie Aussagen, das Allah, der Segensreiche; nimmer spricht, nicht sieht, nicht separat von seiner Schöpfung ist, nicht Wissend, nicht Mächtig, nicht Hört, nicht Beobachtet , nicht Lebendig ist und das der Koran ein erschaffenes Objekt ist, sowie das die Leute des Paradies und der Hölle ihren Schöpfer nimmer zu Gesicht bekommen usw. Shaykh al-Islam al-Mujaddid Taqiyyudin Abu’l Abbas Ahmad Ibn Taymiyyah al-Hanbali (gest. 728 n.H.) – möge Allah wohlzufrieden mit ihm sein – sagte hinsichtlich der Kharawij, Rawafid und Qadariyyah folgendes: „Bezüglich der Kharawij und Rawafid[13] sind keine klaren Aussagen von Imam Ahmad Ibn Hanbal und anderen bekannt , dass sie diese als Ungläubig betrachteten. Bezüglich der Qadariyyah, welche die Vorkenntnis Allahs bezüglich der menschlichen Handlungen, sowie die Vorherbestimmung (al-Qadar) und die Niederschreibung bestritten, so wurden sie von ihnen als Ungläubige bezeichnet; doch hinsichtlich derjenigen welche die Vorkenntnis Allahs bezeugen, aber nicht seine Erschaffung der menschlichen Handlungen, waren von diesem Urteilspruch befreit.“[14]
Zwei Prinzipien werden – so Allah will – diese Angelegenheit klarstellen: Erstens jemand der das Gebet aufrechterhält kann nicht als Ungläubiger angesehen werden, außer er ist ein Heuchler, da seit der Zeit als Muhammad zum Gesandten berufen wurde, Ihn dem Koran offenbart und zur Auswanderung nach Yathrib (Medina) gezwungen wurde, die Menschen in drei Gruppen kategorisiert wurden; diejenigen welche an den Propheten Muhammad –Allahs Segen und Friede auf ihm – glauben; diejenigen welche Ihn öffentlich zurückweisen; und diejenigen welche Heuchler waren und ihre Abweisung gegenüber dem Propheten –Allahs Segen und Friede auf ihm – verborgen hielten. Da dies der Fall ist, können wir unter den ketzerischen Sekten jene haben, welche Heuchler und Feinde des Islams, also Ungläubige sind. Solche Menschen sind zumeist unter den Rawafid und Jahmiyyah aufzufinden. Ihre Oberhäupter waren Heuchler und Zindiqs, genau wie der Mann, der den Rafd (d.h. die abneigung gegenüber den Gefährten) erfand ein Heuchler war. Die Denkschule der Jahmiyyah ist ebenso auf Basis der Heuchelei und Zandaqah (Ketzerei) errichtet worden. Dies ist auch ein Grund, weshalb die Zindiqs welche von den Esoterikern stammen und sich als Philosophen darstellen eine große Affinität und Zuneigung gegenüber den Rawafid und Jahmiyyah haben.
Mitten unter den ketzerischen Sekten können jedoch auch Menschen vorhanden sein, die den Iman in ihren Herzen verankert haben, doch sie sich gleichzeitig der Unwissenheit, des Fehlverhalten schuldig machen und bezüglich der Sunnah einige oder viele Fehler begehen. Derartige Leute sind weder Ungläubig, noch Heuchler. Sie können Sachen begehen, wodurch sie zu Frevler und Sünder werden. Einige von ihnen interpretierten irrtümlich die Texte falsch; jenen wird hoffentlich vergeben und wir bitten Allah, dass Er ihnen Vergeben wird und sie mit Barmherzigkeit umhüllen wird. Einige können auch Iman und Frömmigkeit zu einem gewissen Grad besitzten, wodurch sie eine Art der Liebe Allahs und Unterstützung entsprechend ihres Iman und ihrer Frömmigkeit verdienen, wie z.B. der Gründer der Karamiyyah, welcher von den Gelehrten der Sunnah stets wegen seinen Konzepten bezüglich der Sifat und des Iman getadelt wurde, doch ihn gleichzeitig wegen seines Eifers, seiner Hingabe und seines Asketismus in der Religion lobten und die Menschen ihn dafür schätzten, im gegensatz zu manch anderen Führern der ketzerischen Sekten, welche weder durch ihr Wissen noch durch ihre Frömmigkeit oder Hingabe in der Anbetung, aufgefallen sind, wie z.B. Jahm Ibn Safwan. Dies ist das erste Prinzip, welches unser Shaykh al-Islam in Majmoo darlegte.
Das zweite Prinzip ist, dass die Doktrinen die jemand vertritt selbst Treulosigkeit – welches von dem wahrhaftigen Verständis abweicht – bedeuten können. Zum Beispiel bestreitet jemand die Verpflichtung des Gebets, der Pflichtabgabe, des Fastens oder die Pilgerfahrt oder er bringt zur Geltung, dass Unzucht, Berauschendes, Glückspiel oder das Heiraten eines untersagten Personenkreises legitim sind. Jedoch ist es möglich, dass ein Vertreter solch einer Lehre nicht die Kenntnis darüber besitzt oder ihn nicht die Worte des Gesandten Allahs – Allahs Segen und Friede auf ihm – hinsichtlich dieser Sachen erreicht haben. Solch eine Person wird nicht als Ungläubig deklariert. Dies kann mit einer Person geschehen, welche in den Islam neu konvertiert ist oder geboren wurde und dann an einem Ort hingebracht wurde, welcher den Islam nicht erreichte. Er kann daher nicht mit der Begründung zum Ungläubigen erklärt werden, dass er etwas leugnete was zum Propheten –Allahs Segen und Friede auf ihm – herabgesandt wurde, denn was er nicht wusste, dass jenes zu Ihm herabgesandt wurde, kann er auch nicht zurückweißen.
Die Doktrinen der Jahmiyyah fallen genau in dieses Konzept, weil sie die Eigenschaften mit denen sich Allah, der Segensreiche, befähigt und welche Er zu seinem Gesandten – Allahs Segen und Friede auf ihm – herabsandte negieren. Drei Begründungen sind vorhanden, weshalb sie sehr stark verurteilt wurden: Erstens sind die Texte die ihre Doktrinen entgegenstehen in Hülle und Fülle im Heiligen Koran, den Überlieferungen (Ahadith) und dem Konsens existent und sie (die Texte) sind allerseits bekannt und sie (die Jahmiyyah) weisen sie durch ihre Fehlinterpretation zurück. Zweitens belaufen sich ihre Doktrinen auf die Negierung des Schöpfers, jedoch ist es möglich, dass einige unter ihnen nicht realisiert haben, dass ihre Doktrinen in Wahrheit Allah negieren. Gerade, wie die Grundlage des Iman die Überzeugung an Allah, den Segensreichen, ist, ist die Grundlage des Kufr, die Negierung Allahs. Drittens widersprechen sie Gewissheiten, worin alle Religionen übereinstimmen und welche durch die natürliche Veranlagung bezeugt sind.
Trotz dessen sind viele der Muslime nicht befähigt, den realen Sinn ihrer Doktrinen nachzuvollziehen; einige denken sogar, dass die Wahrheit bei ihnen (Jahmiyyah) ist, da sie ihre Gegenmeinung durchaus entschlossen vortragen. Derartige Muslime haben bestimmt Iman an Allah und Seinem Gesandten – Allahs Segen und Friede auf ihm – und sind aufrichtig in ihrem Herzen von Ihm und Seinen Gesandten überzeugt, aber die Argumente welche die Ketzer ihnen vorlegen, irritieren sie, ebenso wie sich die Ketzer letztendlich selbst irritieren. Gewiss sind diese Muslime allesamt keine Ungläubigen; einige von ihnen können Sünder oder Missetäter sein; andere können sich irren und Allah, der Barmherzige, vergibt ihnen hoffentlich; und andere wiederum können sogar zusammen mit ihren fehlerhaften Ideen, Iman und Frömmigkeit besitzen, wodurch sie die Unterstützung und Allahs Liebe verdienen, entsprechend ihres Iman und ihrer Frömmigkeit.[14]
So Möge Allah der Herr der Welten uns davor bewahren von der Sunnah abzuweichen und in den Sumpf der Ketzerei zu fallen; So Möge Allah uns davor bewahren, Missetäter oder Sünder, gleich anderem zu werden; So Möge Allah uns davor bewahren, einen Muslim ungerechtfertigter Weiße zu einem dieser Sekten hinzuzuaddieren; So Möge Allah uns davor bewahren auf einen Muslim ungerechtfertigt und leichtfertig den Takfir zu sprechen; So Möge Allah uns davor Bewahren mit den Hunden der Hölle, wie Pharaon oder Nimrod, den Platz zu teilen; So Möge Allah alle Gläubigen auf den geraden Weg führen und wir bitten Allah uns die Wahrheit zu zeigen, im Falle unserer eigenen Schwächen; So Möge Allah unsere Geschwister auf der gesamten Welt beschützen, seien sie Sünder oder Innovatoren und Mögen wir das Blut jener Trinken, die das Blut unserer Trinken. Und unserer Letzter Bittruf lautet: Gepriesen sei Allah, der Herr der Welten!
[1] Al-Majmoo al-Fatawa, 3:345
[2] Al-Majmoo al-Fatawa, 7:218
[3] Al-Majmoo al-Fatawa, 3:349
[4] Al-I’tisaam, 1:439.
[5] Al-Majmoo al-Fatawa, 3:349
[6] Ahmad Ibn Taymiyyah: al-Majmoo al-Fatawa, 3:349f
[7] Majmoo al-Fatawa, 23:326
[8] Radd al-Muhtar alaa al-Dur al-Mukhtar, 4:453.
[9] Ash-Shifa, 2:286
[10] Rasa’il Ibn Abidin, 1:368f
[11] Tahdhib at-Tahdhib, 1:81
[12] Mizan al-I’tidaal, 5:1-6.
[13] Wobei angemerkt werden muss, dass damit die früheren Gemeint sind, welche Shaykh al-Islam anspricht, die nicht mit den heutigen und ihren Shirk und Kufr zu vergleichen sind
[14] Al-Majmoo al-Fatawa, 3:352.
[15] Al-Majmoo al-Fatawa, 3: 353ff