Die Gelehrten unter den Altvordern und jenen die ihnen in ihrer Rechtschaffenheit nacheifern, definierten den Iman aus dem Gesichtspunkt der Terminologie (Scharia), demnach als: „Al Aqd bil Qalb wa Tasdiq bil Lisan wa’l-Amal bil qalbi wa al-Arkan“ – die fest Verknotete Überzeugung im Herzen, die Zustimmung mit der Zunge und die Ausführungen des Herzens und mit den Extremitäten.
In diesem Zusammenhang müssen einige Prinzipen der Sprache berücksichtig werden; nämlich dass Iman sowohl isoliert, als auch in Relation mit anderen Begriffen, wie Islam, Rechtschaffene Handlung (al-Amal al-Salihat) oder jenen denen Kenntnis gegeben wurde (al-Ladhina utu al-Illm) steht. Ahlu Sunnah Wal Jammah gründeten auf diesen Grundsatz, das angehende Linguistische Prinzip: „Wenn sie – die Begriffe – aufeinandertreffen, dann trennen sie sich – d.h. die Bedeutung differenziert sich. Und wenn sie sich trennen, dann treffen sie aufeinander – d.h. die Bedeutungen verschmelzen.“ Terminologisch gründet es auf diesem Linguistischen Prinzip, weshalb im Lichte dieser Abhandlung das Augenmerk auf die Gebräuchlichkeit des Begriffs Iman im Heiligen Koran und der authentischen Sunnah gerichtet wird, um die Realität des Iman unantastbar im Herzen zu verknoten.
Wenn Iman isoliert – von den vorab aufgezählten Begriffen – angeführt wird, enthält es sowohl die Bedeutung der anderen Begriffe, wohingegen sie in ihrer Gemeinsamen Erwähnung ihre Individuelle Bedeutung beherbergen. Die isoliert erwähnte Bedeutung von Iman beinhaltet infolgedessen; die Äußerungen des Herzen, wie der Iman an Allah, Seine Engel, Seine Schriften, Seine Propheten und Gesandten, den Tag der Auferstehung und an al-Qada und al-Qadar das sowohl das Gute als auch das Schlechte von Allah, dem Erhabenen, Stammen; seine (des Herzens) Handlungen (Amalu bil-Qalb), wie die Loyalität und Lossagung (al-Wala wal-Bara), Absicht (al-Niyyah), Aufrichtigkeit (al-Ikhlas), Liebe zu Allah (Hubbullaahi) und Hingabe (al-Inqiyad); und Gottesfurcht (al-Taqwa); und Islam, d.h. die Äußerlichkeiten; die verbale Bekräftigung des Glaubensbekenntnis, einzig und allein Allah zu dienen, den Allerhabenen nimmer etwas bei zugesellen, sowie all die anderen Handlungen durch die Extremitäten und der Zunge; das Gebet, Fasten, Pilgerfahrt, Pflichtabgabe, Dschihad etc. Andererseits wenn sie (die Begriffe) in Relation zueinander angeführt werden stehen sie für ihre Individuelle Bedeutung; Iman beinhaltet ausschließlich die Äußerungen und Handlungen des Herzens; Islam beinhaltet ausschließlich die Äußerlichkeiten durch die Extremitäten und der Zunge. Demnach ist dessen (Iman) Bedeutung je von Zusammenhang in den Texten abhängig.
Als der Erzengel Gabriel – Friede sei mit ihm – in Gestalt eines Menschen beim Propheten Muhammad – Allahs Segen und Friede auf ihm – verschiedene Erkundungen über den Din einholte, ist eines der vorzüglichsten Beispiele unter etlichen, für die Relationierung dieser Begrifflichkeiten. Amir al-Mu’minin Umar Ibn al-Khattab – Allahs Wohlgefallen auf ihm – sprach: „Eines Tages, während wir bei Allahs Gesandten – Allahs Segen und Friede auf ihm – saßen, erschien ein Mann vor uns, mit sehr weißen Gewändern und sehr schwarzem Haar. An ihm war keine Spur der Reise zu sehen, und von uns kannte ihn keiner. Schließlich setzte er sich zum Propheten lehnte seine Knie gegen dessen Knie, legte seine Handflächen auf dessen Oberschenkel und sagte: „O Muhammad, unterrichte mich über Islam.“ Da sagte Allahs Gesandter: „Islam ist, dass du bezeugst, dass es keinen Anbetungswürdigen gibt außer Allah, und dass Muhammad der Gesandte Allahs ist, dass du das Gebet verrichtest, die Zakat gibst, im Ramadan fastest und zum Hause pilgerst, wenn es dir möglich ist.“ Er sagte: „Du hast recht gesprochen“, und wir waren erstaunt, das er (Mann) ihn fragte und sagte er spräche recht. Er sagte: „Erzähle mir von Iman.“ Er sagte: „Du sollst an Allah glauben, Seine Engel, Seine Bücher, Seine Propheten, und den Letzten Tag, und an die Göttliche Vorsehung, das Gute und das Böse davon.“ Er sagte: „Du hast recht gesprochen[...]“Er sagte: „Erzähl mir von Ihsan.“ Er sagte: „Es ist Verehrung Allahs wie du Ihn siehst, und während du Ihn noch nicht wirklich siehst, Er sieht dich.“[…] Dann ging er fort und ich blieb für eine Weile. Dann sagte er: „O Umar, weißt du, wer der Fragende war?“ Ich sagte: „Allah und Sein Gesandter wissen es am besten.» Er sagte: „Er was Gabriel, er kam zu dir, um dir dein Din (Religion/Lebensordnung) zu lehren.“[1] Mit Iman in diesem Kontext sind demnach ausschließlich die Überzeugungen der islamischen Aqida gemeint und Islam beinhaltet ausschließlich die Äußerlichkeiten der Zunge und Extremitäten. Denn die Begrifflichkeiten werden in Relation zueinander angeführt, wodurch sie jeweils ihre Individuelle Bedeutung beinhalten. Diese Überlieferung belegt zudem, dass dessen Verwendete Bedeutung sowohl unterschiedlich als auch zusammenhängend ist, indem jeweils ein Teil den anderen darstellt. Dies, weil der Herr der Welten in Seiner unübertrefflichen Rede den Islam als Din (Lebensordnung) bezeichnete, während Sein Habib, der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Friede auf ihm – den Iman, Islam und Ihsan als Din bezeichnete. Imam Muhammad Ibn Ismail al-Bukhary (gest. 256 n.H.) – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – sagte zum Hadith: „Der Prophet – Allahs Segen und Friede auf ihm – machte all dies zum Bestandteil des Iman.“[2] Imam Sadr ad-Din Abu’l Hassan Ali Ibn Abi al-Izz al-Hanafi (gest. 792 n.H.) – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – erläuterte dies ausführlicher: „Der Prophet – Allahs Segen und Friede auf ihm – entgegnete seinen Fragen und sprach sodann zu seinen Gefährten – Allahs Wohlgefallen auf ihnen –, die bei Ihn waren, dass dies Gabriel – Friede sei mit ihm – war, der herankam, um euch euren Din (Lebensordnung) zu Lehren. Gemäß dem Worten des Propheten besagt dies, dass die Religion (al-Din) Islam, Iman und Ihsan ist. Es gibt Muslime, über sie kommen die Mu‘minun und die Gewaltigste Stufe sind die Muhsinin. Iman umfasst Definitiv all jene Sachen, die unter den Islam kommen und Ihsan umfasst all das, was unter Iman und Islam kommt.“[3]
Al-Hafidh al-Imam Zain ad-Din Ibn Radschab al-Hanbali (gest. 795 n.H.) – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – erklärte dazu: „Es sind die Handlungen welche Allah, gepriesen sei Er, im Heiligen Koran als Din (Lebensordnung) bezeichnet hat. Dagegen in der Überlieferung von Erzengel Gabriel, der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Friede auf ihm – der Islam, Iman und Ihsan als Din bezeichnet wurde. Dies Belegt, dass wenn einer der zwei Begriffe Individuell angeführt wird, die Bedeutung des anderen umfasst wird. Die Begriffe unterscheiden sich jedoch, wenn beide in Relation zueinander angeführt werden[…]“[4]
Ferner ist im Heiligen Koran ein Überangebot an Versen vorhanden, indem die Begriffe Iman und Islam in Relation zueinander angeführt werden, wie etwa in der Rede Allahs:
“Wahrlich, die muslimischen Männer und die muslimischen Frauen, die Gläubigen (Mu‘min) Männer und die Gläubigen (Mu‘min) Frauen[…] (Sure al-Ahzab, Vers.35)
Scheich al-Islam al-Mujaddid Taqiyyudin Abu’l Abbas Ahmad Ibn Taymiyyah al-Hanbali (gest. 728 n.H.) – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – sagte bezüglich der Eingeschränkten Bedeutung: „Wenn Iman und Islam gemeinsam erwähnt werden, steht der Begriff Islam für die Äußeren Handlungen: Das aussprechen des Glaubensbekenntnisses, die Einheit Allahs und die Gesandtschaft Muhammads mit der Zunge zu bezeugen, das Gebet, die Pflichtabgabe, das Fasten, die Pilgerfahrt. Der Begriff Iman steht für jenes was im Herzen verankert ist: den Iman an Allah, an die Engel, an die Schriften, seine Propheten und Gesandten und den Tag der Auferstehung. Ein Beispiel dafür, ist die von Imam Ahmad Ibn Hanbal Verzeichnete Überlieferung von Anas Ibn Malik, dass der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Friede auf ihm – sprach: „Der Islam ist etwas Äußerliches und der Iman ist etwas Inneres“.“[5]
Oder, aber die Wörter unseres Herrn:
“Die Wüstenaraber sagen: „Wir glauben (Amana).“ Sprich: „Ihr glaubt nicht (Lam tu‘minu)“, sagt vielmehr: „Wir haben den Islam (Aslama) angenommen“.” (Sure al-Hugurat, Vers.14)
Imam Sadr ad-Din Abu’l Hassan Ali Ibn Abi al-Izz al-Hanafi (gest. 792 n.H.) – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – kommentierte zum Vers: „Einige Leute haben bezüglich der Wörter angemerkt: „Wir haben den Islam (Aslama) angenommen“, dass sie sich nur nach außen ergaben, obwohl sie in Wahrheit Heuchler waren bzw. sind. Dies ist eine Auslegung. Die andere Auslegung[6] ist Allgemeiner Akzeptiert und Stärker zudem, nämlich dass sie keine Heuchler sind, wenn auch ihr vollkommener Glaube in demselben Sinn bestritten worden ist, wie es von einen Mörder, Unzucht begehender, Dieb und einem Lügner bestritten wird. Der Kontext des Verses unterstützt ebenfalls diese Auslegung. Vom Anfang bis zu jenem Vers, beschränkt sich die Behandlung auf Schlechte Handlungen und die daraus resultierenden Folgen die jene erliegen werden, die solch etwas begehen. Nirgends wurden die Heuchler erwähnt. Ferner hat Allah, nach den Wörtern hinsichtlich der Behandlung gesagt: „Die (wahren) Gläubigen sind diejenigen, die an Allah und seinen Gesandten glauben und hierauf nicht (wieder unsicher werden und) Zweifel hegen, und die mit ihrem Vermögen und in eigener Person um Allahs willen Krieg führen. Sie sind es, die es ehrlich meinen.“ (Sure al-Hugurat, Vers.15) Dies bedeutet, dass die Wahren und vollkommenen Gläubigen jene Qualitäten verfügen, aber nicht die Wüstenaraber, welche keinen vollkommenen[7] Iman hatten.“[8]
Darüber hinaus wird Iman nicht nur in Relation mit Islam verwendet, eher finden wir zahlreiche Stellen im Koran, wo Iman und Amilu al-Salihat gemeinsam Erwähnung finden, wie etwa:
“Jene jedoch, die da glauben (Amannu) und Rechtschaffene Handlungen (Amilu al-Salihati) tun, wird ihr Herr um ihres Glaubens willen leiten. Bäche werden unter ihnen in den Gärten der Wonne fließen.” (Sure Yunus, Vers.9)
“Und den, der an Allah glaubt und recht handelt, wird Er in Gärten führen, durch die Bäche fließen, worin (er) auf ewig verweilen wird. Allah hat ihm wahrlich eine treffliche Versorgung gewährt.” (Sure al-Talaq, Vers.11)
In diesen angeführten Versen verkörpern die Begrifflichkeiten „Iman“ und „Amilu al-Salihat“ jeweils ihre individualistische Bedeutung. Dies wird dadurch bedingt, da der Satz „Und den der[...] recht handelt[...]“, auf dem Satz „[...]der an Allah glaubt[...]“, zurückzuführen ist. Denn in der arabischen Grammatik werden lediglich die Dinge gemeinsam in Relation gesetzt, die zueinander in unterschiedlicher Bedeutung stehen, denn wären die Bedeutungen beider gleich, würde die Verwendung eines der Begriffe eine überflüssige Wiederholung darstellen. Folglich bedeutet Iman in diesem Versen die Anerkenntnis der Überzeugungsinhalte aus dem Herz heraus und Amilu al-Salihat steht für die Rechtschaffenen Handlungen durch die Extremitäten, die der Diener Allahs vollzieht, um Sein Wohlgefallen zu erlangen.
Imam Sadr ad-Din Abu’l Hassan Ali Ibn Abi al-Izz al-Hanafi (gest. 792 n.H.) – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – sagte: „Im zweiten Fall wo die Rechtschaffenen Handlungen in Relation zum Iman stehen, Involviert dass Iman sich von Amal (Handlung) unterscheidet, auch wenngleich ihr Prädikat dasselbe ist. Die Unterschiede haben jedoch variierende Grade. Der stärkste Grad ist zwischen zwei Sachen welche nicht das dasselbe sind und von denen keiner ein Bestandteil des anderen ist, noch hat es irgendetwas Gemeinsames mit den anderen oder impliziert es. Der Unterschied Existiert, zum Beispiel, zwischen den Sachen, die in den Versen vereinigt worden sind: “Alles Lob gebührt Allah, Der Himmel und Erde erschaffen und die Finsternisse und das Licht gemacht hat.” (Sure al-An’am, Vers.1) Und, Er Sagt: “Und Er hat die Thora und das Evangelium herabgesandt.” (Sure al-Imran, Vers.3) Dies ist die gängige Bedeutung des Unterschieds. Die andere Differenz ist die, die in den Sachen gefunden wird, die sich gegenseitig implizieren. Dies wird durch die folgenden Verse Illustriert: “Und mischt nicht Wahrheit mit Unrecht durcheinander! Und verschweigt nicht die Wahrheit, wo ihr (sie) doch kennt.” (Sure al-Baqara, Vers.42) Auch sagt Allah: “Gehorcht Allah und gehorcht dem Gesandten.” (Sure an-Nisa, Vers.59) Die dritte Differenz ist wo eine Sache in Verbindung mit etwas anderen steht, wie in den Versen: “Haltet die Gebete ein, sowie das mittlere Gebet. Und steht in demütiger Ergebenheit vor Allah.” (Sure al-Baqara, Vers.238) Auch sagt, der Segensreiche: “Wer auch immer zum Feind wurde gegen Allah und Seine Engel und Seine Gesandten und Gabriel und Michael, so ist wahrlich Allah den Ungläubigen ein Feind.” (Sure al-Baqara, Vers.98) Auch sagt Allah: “Und dann gingen Wir mit den Propheten den Bund ein und mit dir und mit Noah und Abraham und Moses und mit Jesus, dem Sohn der Maria.” (Sure al-Ahzab, Vers.7) Diese Differenzen wurden durch diverse Wege Begründet. Das erste ist das die zweite Sache (Begriff) in der ersten Sache (Begriff) eingeschlossen wird und deshalb gemeinsam angeführt wird. Zweitens und Drittens ist, dass die zweite Sache (Begriff) in den Speziell erwähnten Fall nicht ins erste eingeschlossen wird, trotz der Tatsache, dass es im Prinzip ins erste eingeschlossen wird, sofern es allein angegeben wird. Die Leute haben die Wortverbindung, wie: “Al-fuqara wa al-masakin” (Sure at-Tawba, Vers.60), sowie die anderen auf diese Art und Weise interpretiert. Es ist augenscheinlich, dass die Bedeutung sich unterscheidet sofern zwei Begriffe zusammen Assoziiert werden oder man sie eigenständig erwähnt.“[9]
Al-Hafidh Imad ad-Din Abu Fida Ismail Ibn Kathir (gest. 774 n.H.) – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – sagte: „Ferner wird der Begriff Iman manchmal gemeinsam mit den Handlungen erwähnt, wie Allah sagt: Außer denjenigen, die glauben und rechtschaffene Werke tun; für sie wird es einen Lohn geben, der nicht aufhört. (Sure at-Tin, Vers.6) Jedoch wenn Iman in uneingeschränkter Weise verwendet wird, umfasst es die Überzeugung, Handlungen und Bekräftigungen der Zunge.“[10]
Ebenso sind in der authentischen Sunnah allerlei Überlieferungen vorhanden, indem diese Begrifflichkeiten in Relation zueinander stehen, wodurch beide ihre Spezifische Bedeutung einnehmen, wie etwa in den darauffolgenden Aussprüchen des Gesandten Allahs – Allahs Segen und Friede auf ihm: Anlässlich eines Totengebets, machte der Prophet Muhammad – Allahs Segen und Friede auf ihm – folgendes Bittgebet, welches Abu Huraira – Allahs Wohlgefallen auf ihm – berichtet: „Oh Allah, wem auch immer Du Leben verleihst, so Bewillige ihn ein Leben im Islam und bei wem auch immer Du den Tod verursachst, nehme ihn in einen Zustand während er Iman hat.“[11] Al-Hafidh al-Imam Zain ad-Din Ibn Radschab al-Hanbali (gest. 795 n.H.) – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – kommentierte dieses Bittgebet, wie folgt: „Dies, weil im Laufe des Daseins die Möglichkeit gegeben ist (Äußerliche) Handlungen auszuführen, wohingegen im Augenblick wenn der Tod einkehrt, mit Ausnahme des Iman im Herzen nichts anderweitiges verbleibt. Aus diesem Gesichtspunkt heraus, meinten die vertrauenswürdigen Gelehrten: ‚Jeder Mu’min ist ein Muslim. Wer auch immer den Iman vervollkommnet hat und dies fest im Herzen Etabliert ist, beginnt die (Äußerlichen) Handlungen des Islam auszuführen.‘[…] Allerdings ist nicht jeder Muslim ein Mu’min. Denn der Iman könnte noch Schwach sein, weil er die Stufe des vollkommenen Iman noch nicht erreicht hat, ungeachtet seiner Ausführungen des Islams durch die Extremitäten. In diesem Fall ist solch jemand ein Muslim, jedoch kein Mu’min mit vollkommenen Iman.“[12]
Nachdem nun – so Allah will – die eine (Spezifische) Bedeutung des Iman dargelegt worden ist, wenden wir uns der Allgemeinen[13] Bedeutung hin. Hodschatul Islam Abu Hamid Muhammad al-Ghazali (gest. 505 n.H.) – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – legte die Relationierung des Iman und Islam, wie folgt dar: „Ihre Anführung als zusammenhängende Begriffe in der ein Teil ein Bestandteil von anderem ist, ist ebenfalls im Einklang mit den Regeln der Sprache. Der Islam wird bezogen auf die Unterwerfung der Seele, sowie mit der Zunge und den Handlungen verwendet; während der Iman als ein Bestandteil des Islam verwendet wird, nämlich durch die Akzeptanz der Seele. Dies ist die Bedeutung von Islam und Iman als zusammenhängende Begriffe, in der ein Teil ein Bestandteil von anderem ist (Tadakhul). Es befriedigt die Regeln der Sprache sowohl hinsichtlich der spezifischen Anwendung des Iman als auch in Bezug auf den allgemeinen Gebrauch des Islam, der alles Impliziert. Das eine ist spezifisch und Individuell, während das andere allgemein und Universal ist.“[14] Demnach, wenn Iman isoliert angeführt wird beinhaltet es sowohl die Gottesfurcht (Taqwa), Rechtschaffenheit und Islam, d.h. die Handlungen mit ein. Ein Paradebeispiel betreffs dieser Angelegenheit, legte Imam Abu’l Qasim al-Junaid Ibn Muhammad az-Zujjaj (gest. 298 n.H.) – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – dar: „Tawhid sind die Äußerungen des Herzens und Tawwakul sind die Handlungen des Herzens“[15] In diesem Zusammenhang meinte Abu’l Qasim al-Junaid mit Tawhid die grundlegenden Überzeugung im Herzen, denn er erwähnte es in Relation mit Tawwakul, doch sofern es isoliert erwähnt wird, beinhaltet es (Tawhid) die Äußerungen des Herzens, sowie seine Handlungen und Tawwakul ist die Vollkommenheit von der Vollkommenheit des Tawhid. Ein weiteres Paradebeispiel stellen die zwei Zeugnisse (Shahadatan) da; lasst uns – so Allah will – ein Blick auf die folgende Aussage des Gesandten Allahs – Allahs Segen und Friede auf ihm – werfen: „Mir wurde der Befehl auferlegt, die Menschen solange zu bekämpfen, bis sie die Worte sprechen: La Ilaha Illa Allah (Es ist kein Anbetungswürdiger, außer Allah vorhanden)“[16], Es ist ersichtlich das sofern jemand „La Ilaha Illa Allah“ bezeugt, aber im selben Atemzug das Prophetentum Muhammad’s leugnet, so wird es für solch jemanden nicht die Möglichkeit geben, sich vor der Bekriegung und Bestrafung in Sicherheit zu bringen. Bekanntermaßen ist jeder dazu angehalten worden „La Ilaha Illa Allah“ auf die exakte Art und Weiße zu bekräftigen, indem man das Prophetentum Muhammad in Relation mit der Einheit Allahs – gemeinsam – bezeugt. Desgleichen wird jemand die Prophetenschaft Muhammad’s nicht bekräftigen, ausgenommen man bezeugt das all jenes was Er – Allahs Segen und Friede auf ihm – verkündete die Unveränderliche Wahrheit darstellt. Dies wiederrum Impliziert die Einheit Allahs zu bezeugen. Sofern jemand die Einheit Allahs in Relation mit der Prophetenschaft Muhammad’s bezeugt, steht das erste Bekenntnis für das Zeugnis hinsichtlich der Einheit Allahs und das zweite (Bekenntnis) für das Zeugnis der Prophetenschaft Muhammad’s. Imam Sadr ad-Din Abu’l Hassan Ali Ibn Abi al-Izz al-Hanafi (gest. 792 n.H.) – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – sagte: „Wenn Islam und Iman gemeinsam angeführt werden, ist dies ein anderer Fall, als wenn einer ohne den anderen erwähnt wird. Der Islam ist zu Iman, wie die zwei Zeugnisse – die Bezeugung, der Gesandtschaft Muhammad‘s in Relation hinsichtlich der Bezeugung der Einheit Allahs – welche aneinander sind. Im Kern sind diese zwei Bezeugungen, zwei differenzierte Dinge, jedoch das Konzept und deren Auswirkungen des einen, werden assoziiert, mit den Konzept und Auswirkungen des anderen. Der Gleiche Fall ist mit Islam und Iman. Niemand kann Iman besitzen ohne Islam oder Islam ohne Iman. Der Islam muss gewissermaßen in Ordnung sein, um zu beweisen, dass man Iman hat, genauso wie sein Iman in Ordnung sein muss, um den Islam von jemand zu bestätigen.“[17]
[1] Abu’l Hussein Asakir ud-Din Muslim: al-Dschami as-Sahih: Kitab al-Iman, Nr.1
[2] Al-Dschami as-Sahih, Kitab al-Iman
[3] Sharh al-Aqida at-Tahawiyyah, S.299 [Englische Version, bei allen Aussagen des Imam]
[4] Jami al-Ulum wal-Hikam, Hadith Nr.2
[5] Al-Majmoo al-Fatawa, 7:14
[6] Ibn Radschab sagte: „Gemäß den meisten Exegeten des Heiligen Koran ist die Richtigste Ansicht, dass die Wüstenaraber bzw. Beduinen keine Kompleten Heuchler waren. Eher war ihr Iman schwach. Die ist die Meinung von Abdullah Ibn Abbas und anderen.“ [Jami al-Ulum wal-Hikam, Hadith Nr.2 ]
[7] Ibn Radschab sagte: „Dies bekundet, dass die Wüstenaraber etwas Iman hatten, durch den ihre Handlungen akzeptiert wurden.[…] Kein Zweifel ist vorhanden, dass sobald der Iman im Inneren Schwach wird bzw. ist, er die Äußerliche Schwächung der Handlungen des Körpers bewirkt. Jedoch wird der Begriff Iman Negiert, bei denjenigen der seine Verpflichtungen vernachlässigt, so wie in der folgenden Aussage: „Ein Mu’min, der Unzucht begeht, begeht dies nicht im Zustand eines (wahren) Gläubigen“.“ [Jami al-Ulum wal-Hikam, Hadith Nr.2 ]
[8] Sharh al-Aqida at-Tahawiyya, S.301f
[9] Sharh al-Aqida at-Tahawiyyah, S.297
[10] Tafsir al-Quran al-Adhim, Sure al-Baqara, Vers.3
[11] Ahmad Ibn Hanbal: al-Musnad, 2:368; Abu Dawud Sulaiman Ibn Aschath : Sunan Abu Dawud, Kitab al-Jana’iz, Nr.3201; Abu Isa at-Tirmidhi: al-Dschami at-Tirmidhi, Kitab al-Jana’iz, Nr.1032; Abu Abdullah Ibn Madscha: Sunan Ibn Madscha, Kitab al- Jana’iz, Nr.1498
[12] Jami al-Ulum wal-Hikam, Hadith Nr.2
[13] Ibn Abi al-Izz sagte: „Iman im Lichte des Koran und der Sunnah kann sowohl aus dem Allgemeinen, als auch aus dem Spezifischen bestehen.“ [Sharh al-Aqida at-Tahawiyyah, S.291]
[14] Ihya Ulum al-Din: Kitab al-Qaw’id al-Aqa’id, Kapitel. Iman und Islam
[15] Ahmad Ibn Taymiyyah: al-Majmoo al-Fatawa, 7:186
[16] Abu’l Hussein Asakir ud-Din Muslim an-Naisaburi: al-Dschami as-Sahih: Kitab al-Iman, Nr.30
[17] Sharh al-Aqida at-Tahawiyyah, S.301